Medienecho

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Hier ein Auszug der Berichterstattung seit 2014:

Publikation / SenderLandDatumSchlagzeile
Folha de Estado Santa Catarina Brasil 29/11/2021 Vice-presidente do Centro Empresarial e Científico Brasil ? Alemanha visita Blumenau nesta segunda, dia 29 – Folha do Estado SC
SantaCatarina Hoje Brasil 29/11/2021 Vice-presidente do Centro Empresarial e Científico Brasil - Alemanha visita Blumenau nesta segunda, dia 29 | SC Hoje News
Blumenau em Cadernos November/Dezember 2019 Brasil 11/2019 Blumenau em Cadernos [PDF, 4MB]
Tópicos 3 / 2018 D 03/2018 Mehr Biogas-Experten für Brasilien [PNG, Seite 1/2]
Mehr Biogas-Experten für Brasilien [PNG, Seite 2/2]
Ecoturismo Brasil 11/09/14 13:18 Santa Catarina na trilha do gás renovável
FloripAmanha.org Brasil 10/09/14 15:17 Dejetos suínos se transformam em biometano
Saneamento Ambiental Brasil 10/09/14 01:15 Santa Catarina inaugura biorrefinaria de biometano
ADJORI-SC Brasil 09/09/14 22:47 Usina de Pomerode vai transformar dejetos de animais em biogás
ADJORI-SC Brasil 09/09/14 20:49 Inaugurada primeira usina de gás renovável de Santa Catarina
UDOP Brasil 09/09/14 15:55 Usina de biogás é inaugurada no Vale do Itajaí e produzirá 2,5 mil m³ por dia
G1 Brasil 08/09/14 23:35 Usina de biogás é inaugurada no Vale do Itajaí e produzirá 2,5 mil m³ por dia
Radio Guararema Brasil 09/09/14 13:46 - Pomerode inaugura primeira usina de gás renovável em Santa Catarina
A Notícia - clicRBS Brasil 09/09/14 00:57 Pomerode inaugura primeira usina de gás renovável de Santa Catarina
Diário Catarinense - clicRBS Brasil 09/09/14 00:57 Pomerode inaugura primeira usina de gás renovável de Santa Catarina
Overbr.com.br Brasil 05/09/14 14:52 Pomerode inaugura primeira usina de gás renovável de Santa Catarina
Ecoturismo Brasil 05/09/14 05:06 Pomerode inaugura primeira usina de gás renovável de Santa Catarina
Segs.com.br Brasil 04/09/14 00:13 Pomerode inaugura primeira usina de gás renovável de Santa Catarina
Energia Hoje Brasil 09/09/14 00:19 Energia Hoje | SC inaugura usina de biogás de dejetos suínos
NGV Journal Argentina 05/09/14 19:52 Brasil: abren la primera planta de biometano de Santa Catarina
ADJORI-SC Brasil 04/09/14 22:39 Instalada em Pomerode a primeira usina de gás renovável de SC
Jornal da Energia Brasil 04/09/14 21:00 Pomerode inaugura primeira usina de gás renovável de SC
Brasil 24/7 Brasil 04/09/14 17:11 Inaugurada primeira usina de gás em Santa Catarina

Ein Schaufenster des modernen und nachhaltigen Brasiliens

WWZ-Interview mit Seiner Exzellenz, dem Botschafter Brasiliens in Deutschland, Herrn Rodrigo de Lima Baena Soares 


Foto: Embaixada do Brasil

(Originalfassung des Interviews in Portugiesisch siehe unten, Arbeitsübersetzung WWZ-BD)

Sehr geehrter Herr Botschafter, Brasilien ist in diesem Jahr Partnerland der Hannover Messe, der weltweit größten Industriemesse. Neben Präsident Luiz Inácio Lula da Silva werden auch zahlreiche hochrangige Wirtschaftsvertreter in Hannover erwartet. Welche Erwartungen haben Sie als brasilianischer Botschafter an die diesjährige Hannover Messe und insbesondere an die brasilianische Beteiligung?

Brasilien war 1980 das erste Partnerland der Hannover Messe, was zeigt, wie traditionell und solide die Verbindungen zwischen unseren Industrien sind. Wir verfügen über reichlich saubere Energie, Rohstoffe, Infrastruktur, eine diversifizierte industrielle Basis sowie qualifizierte Arbeitskräfte. Wir sind somit gut aufgestellt, um Deutschland und anderen Ländern bei der Dekarbonisierung ihrer energieintensiven Industrien zu helfen. Vor diesem Hintergrund wird der brasilianische Pavillon in drei miteinander verbundene Themenbereiche unterteilt: Automatisierung und Digitalisierung; Energie und industrielle Infrastruktur; sowie Forschung und Technologietransfer. Wir werden über eine Ausstellungsfläche von 2.600 m² verfügen, verteilt auf sechs Pavillons, mit 150 brasilianischen Ausstellern sowie rund 60 Start-ups. Im Mittelpunkt steht unsere wachsende Präsenz in den Bereichen Innovation, Digitalisierung und saubere Energie. Wir erwarten, dass die Hannover Messe 2026 ein Schaufenster für ein modernes und nachhaltiges Brasilien sein wird.

Parallel zur Hannover Messe finden die 42. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage statt. Wie jedes Jahr sind wichtige bilaterale Foren, wie die Sitzung der Gemischten Wirtschaftskommission und die Sitzung der Deutsch-Brasilianischen Initiative für Agrarwirtschaft und Innovation, Teil des Wirtschaftstreffens. Das WWZ-BD nimmt regelmäßig als Vertreter der kleinen und mittleren Unternehmen an diesen Treffen teil. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Themen dieser Diskussionen und Verhandlungen im Jahr 2026?

Die bilateralen Gespräche umfassen sehr unterschiedliche Themen: erneuerbare Energien, Klima und Innovation, Digitalisierung, Infrastruktur und Investitionen. Ein Schlüsselthema wird das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) sein. Unternehmen und Fachkräfte aus Brasilien und Deutschland stehen seit der Kündigung des alten Abkommens durch Deutschland im Jahr 2005 vor Herausforderungen im Zusammenhang mit der Doppelbesteuerung, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sowie Privatpersonen. Wir haben kürzlich ähnliche Abkommen mit anderen Partnern geschlossen und sind offen für ein ausgewogenes Modell, das den Interessen beider Seiten gerecht wird und die Rechtssicherheit im Geschäftsleben erheblich erhöhen könnte. Ein weiteres zentrales Thema der Gespräche wird die bilaterale Zusammenarbeit bei kritischen Mineralien sein. Hier gibt es noch viel unerschlossenes Potenzial: Brasilien verfügt über bedeutende Vorkommen an Niob, Graphit und Seltenen Erden, die für Deutschland von großer Bedeutung sind. Wir wollen unseren bereits starken Bergbausektor auch im Bereich der kritischen Mineralien weiterentwickeln – und zwar auf nachhaltige Weise und im Rahmen eines ausgewogenen Modells, das lokalen Mehrwert beinhaltet.

Nach Uruguay und Argentinien hat auch Brasilien das Mercosur-Abkommen mit der EU ratifiziert. Ihr Land hat sich nachdrücklich für den Abschluss dieses Abkommens eingesetzt. Welche Bedeutung und welche Vorteile hat dieses Abkommen nach Ihrer Meinung als brasilianischer Botschafter?

Die vorläufige Anwendung des Abkommens durch die EU ist ein großer Schritt voran im Streben nach Diversifizierung und Widerstandsfähigkeit für beide Seiten in einem von Unvorhersehbarkeit geprägten internationalen Kontext. Es signalisiert der Welt, dass der Multilateralismus weiterhin stark ist. Wettbewerbsfähige Branchen in Brasilien werden von dem Abkommen profitieren, darunter Schuhe und Leder, Transportausrüstung, Nichteisenmetalle und Zellulose. Auch die europäische Industrie wird enorm profitieren: Brasilien wird aufgrund sinkender Einfuhrzölle bis 2040 weitere 8 Milliarden Euro an europäischen Industrieprodukten importieren, vor allem Maschinen und Ausrüstung. Diese technologische Modernisierung wird wiederum der gesamten brasilianischen Produktionskette zugutekommen und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit ermöglichen. Die brasilianische Luftfahrtindustrie beispielsweise könnte ihre Exporte steigern, indem sie europäische Komponenten zu günstigeren Preisen und Konditionen importiert. Mit Hilfe des Abkommens wird Brasilien zudem noch besser als Plattform für ausländische Direktinvestitionen in den Bereichen grüne Technologien und nachhaltige Industrie positioniert sein. 

Das Wirtschafts- und WissenschaftsZentrum Brasilien-Deutschland engagiert sich seit über 25 Jahren für die Förderung der deutsch-brasilianischen Beziehungen in den Bereichen Wirtschaft und Wissenschaft, für den Technologietransfer sowie für die Kommunalpolitik zugunsten kleiner und mittlerer Unternehmen. Seit kurzem leistet auch die neu gegründete Stiftung Blumenau-Niesel einen Beitrag dazu, unter anderem durch die Förderung von Forschungsprojekten und den Austausch von Studierenden und Lehrenden. Welche Bedeutung messen Sie als Botschafter diesen Initiativen der Zivilgesellschaft für die Entwicklung der bilateralen Beziehungen zwischen unseren Ländern bei?

Dies ist eine Zeit des Lernens und der Anpassung auf internationaler Ebene, die eine Erneuerung und Stärkung der Partnerschaften erfordert. Das verlangt von uns, über den „Status quo“ und das „Business as usual“ hinauszudenken. Das gilt für unsere beiden Länder. Es gibt einen sehr regen Austausch zwischen unseren Wissensinstitutionen, Universitäten und Forschungszentren, der auf tiefen menschlichen Bindungen zwischen unseren Ländern beruht. Wir haben mehr als 170.000 brasilianische Staatsbürger in Deutschland, von denen viele im Wissens- und Innovationssektor tätig sind. In Brasilien leben mehr als 5 Millionen Menschen mit deutschen Wurzeln. Hervorzuheben ist zudem, dass wir viele grundlegende Werte teilen. Wir glauben an Demokratie, Menschenrechte und das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit. Diese Elemente bieten fruchtbaren Boden für Organisationen wie das Wirtschafts- und WissenschaftsZentrum Brasilien-Deutschland und die Blumenau-Niesel-Stiftung, die eine wichtige Rolle bei der Stärkung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern spielen.

Über den Botschafter 

Rodrigo de Lima Baena Soares wurde 1963 in Rio de Janeiro geboren und trat 1987 nach Abschluss der Diplomatenausbildung am Rio-Branco-Institut in den diplomatischen Dienst ein. Nach Abschluss eines Jurastudiums absolvierte er eine Spezialisierung in Internationalen Beziehungen an der American University in Washington sowie ein Postgraduiertenstudium in Öffentlicher Verwaltung an der ENA in Paris. Während seiner diplomatischen Laufbahn diente er an der Ständigen Vertretung Brasiliens bei den Vereinten Nationen sowie an den Botschaften in Assunción, Buenos Aires und Paris. Bevor er seinen Posten in Deutschland antrat, war er Botschafter in Maputo (2015-2018), Lima (2018-2021) und Moskau (2021-2025).

Uma vitrine para um Brasil moderno e sustentável

Entrevista do WWZ-BD com Sua Excelência, o Embaixador do Brasil na Alemanha, Rodrigo de Lima Baena Soares

Prezado Senhor Embaixador, o Brasil é este ano o país parceiro da Feira de Hannover, a maior feira industrial do mundo. Além do presidente Inácio Lula da Silva, também são esperados em Hannover numerosos representantes económicos de destaque. Como embaixador brasileiro, quais são suas expectativas em relação à Feira de Hannover deste ano e, em particular, à participação brasileira?

Embaixador Baena Soares: O Brasil foi o primeiro País Parceiro da Hannover Messe, em 1980, o que mostra como os laços entre as nossas indústrias são tradicionais e sólidos. Possuímos energia abundante e limpa, matérias-primas, infraestrutura, base industrial diversificada, além de mão de obra qualificada. Estamos, assim, bem-posicionados para ajudar a Alemanha e outros países na descarbonização de suas indústrias de alto consumo de energia. Nesse quadro, o pavilhão brasileiro será dividido em três área temáticas correlatas: automação e digitalização; energia e infraestrutura industrial; e pesquisa e transferência de tecnologia. Contaremos com 2.600 m² de área de exposição distribuídos por seis pavilhões, com 150 expositores brasileiros, bem como cerca de 60 startups. O destaque será nossa crescente presença nos setores de inovação, digital e energia limpa. Nossa expectativa é de que a Hannover Messe seja uma vitrine para um Brasil moderno e sustentável. 

Paralelamente à Feira de Hannover, será realizado o 42°. Encontro Econômico Brasil-Alemanha. Como todos os anos, importantes fóruns bilaterais, como a reunião da Comissão Econômica Mista e a reunião da Iniciativa Brasil-Alemanha para Agronegócio e Inovação, fazem parte do Encontro Econômico. O WWZ-BD participa regularmente dessas reuniões como representante das pequenas e médias empresas. Na sua opinião, quais são os principais temas dessas discussões e negociações em 2026?

Embaixador Baena Soares: As discussões bilaterais abrangem temas bastante diversos: energias renováveis, clima e inovação, digitalização, infraestrutura e investimentos. Um tema-chave será o ADT (Acordo para Evitar a Dupla Tributação). Empresas e profissionais de Brasil e Alemanha enfrentam desafios relacionados à bitributação desde que o antigo acordo foi denunciado pela Alemanha em 2005, especialmente pequenas e médias empresas e pessoas físicas. Concluímos recentemente acordos semelhantes com outros parceiros e estamos abertos a um modelo equilibrado que atenda aos interesses de ambos os lados e que poderá aumentar substancialmente a segurança jurídica nos negócios. Outro tema central das discussões será a cooperação bilateral em minerais críticos. Temos ainda muito potencial inexplorado: o Brasil possui importantes reservas de nióbio, grafite e terras raras, de suma importância para a Alemanha. Queremos desenvolver o nosso já forte setor de mineração também na área de minerais críticos – fazendo isso de forma sustentável e em um modelo equilibrado que inclua valor agregado local.

Depois do Uruguai e da Argentina, o Brasil também ratificou o acordo do Mercosul com a UE. O Brasil se empenhou fortemente pela conclusão deste acordo. Como embaixador do Brasil, quais são, na sua opinião, a importância e as vantagens deste acordo?

Embaixador Baena Soares: A aplicação provisória do Acordo pela UE é um grande passo à frente na busca por diversificação e resiliência para os dois lados em um contexto internacional de imprevisibilidade. Sinaliza ao mundo que o multilateralismo segue forte. Setores competitivos no Brasil serão beneficiados pelo Acordo, como calçados e couro, equipamentos de transporte, metais não ferrosos e celulose. A indústria europeia se beneficiará enormemente também: o Brasil importará, com a queda das tarifas de importação, mais 8 bilhões de euros em produtos industriais europeus até 2040, principalmente máquinas e equipamentos. Essa modernização tecnológica, por sua vez, beneficiará toda a cadeia de produção brasileira, permitindo maior competitividade. A indústria aeronáutica brasileira, por exemplo, poderá aumentar suas exportações ao importar componentes europeus a preços e condições mais favoráveis. Com ajuda do Acordo, o Brasil também estará ainda mais bem-posicionado como uma plataforma para investimento externo direto nos setores de tecnologias verdes e indústria sustentável.

O Centro Comercial e Científico Brasil-Alemanha está empenhado há mais de 25 anos na promoção das relações germano-brasileiras nas áreas econômica e da ciência, na transferência de tecnologia e na política municipal para as pequenas e médias empresas. Recentemente, a recém-criada Fundação Blumenau-Niesel também passou a contribuir para isso, entre outras coisas, promovendo projetos de pesquisa e o intercâmbio de estudantes e professores. Qual a importância que o Senhor como Embaixador atribui a essas iniciativas da sociedade civil no desenvolvimento das relações bilaterais entre nossos países?

Embaixador Baena Soares: Este é um momento internacional de aprendizado e de adaptação, o qual requer renovação e fortalecimento das parcerias. Isso exige que pensemos além do “status quo” e do “business as usual”. Isso vale para ambos os nossos países. Há um intercâmbio muito rico entre nossas instituições de conhecimento, universidades e centros de pesquisa, os quais se apoiam em laços humanos profundos entre nossos países. Temos mais de 170 mil cidadãos brasileiros na Alemanha, muitos deles ligados ao setor de conhecimento e inovação. Há mais de 5 milhões de pessoas no Brasil com raízes alemãs. É importante ressaltar, ainda, que compartilhamos muitos valores fundamentais. Acreditamos na democracia, nos direitos humanos e no compromisso com a sustentabilidade. Esses elementos fornecem terreno fértil para organizações como o Centro Comercial e Científico Brasil-Alemanha e Fundação Blumenau-Niesel, que exercem um papel importante para o fortalecimento da relação entre os dois países.

Prezado Sr. Embaixador, muito obrigado pela entrevista.

 

 

Florianópolis benennt Mündungsgebiet nach Naturforscher Fritz Müller

Interview mit Vice-Prefeito Topázio Silveira Neto

Estuário Fritz Müller para Florianópolis

Entrevista com Topázio Silveira Neto, Vice-Prefeito de Florianópolis

Entrevista com Silveiro Neto (PDF)



Sie sind stellvertretender Oberbürgermeister der brasilianischen Stadt Florianópolis mit mehr als 500.000 Einwohnern. Die Stadt hat kürzlich eine Kommission zum 200. Geburtstag des deutsch-brasilianischen Naturforschers Fritz Müller gegründet, deren Vorsitzender Sie sind. Welche Bedeutung hat Fritz Müller für Florianópolis?

Nur wenige wissen, dass Fritz Müller etwas mehr als ein Jahrzehnt in Nossa Senhora do Desterro (heute Florianópolis) lebte und hier zwischen 1856 und 1867 sein wichtigstes Werk und sein einziges Buch "Für Darwin" geschrieben hat. Hier verfasste er auch 35 wissenschaftliche Artikel, die alle in Zeitschriften und Periodika in Deutschland und England veröffentlicht wurden, sowie seine einzige Lyrik (insgesamt 12 Gedichte), die sich mit der Natur Desterros beschäftigt.
Fritz Müller war ein Pionier bei der Überprüfung der Evolutionstheorie von Charles Darwin in der Natur und im Labor anhand von Meereskrebsen der Küste Santa Catarinas und trug damit wesentlich zur Konsolidierung dieser Theorie bei, die die Säule der Biologie darstellt. Darwin, mit dem er 17 Jahre lang korrespondierte, gab ihm den Ehrennamen "Fürst der Beobachter".
Florianópolis war sein Feld für wissenschaftliche Exkursionen, wo er die lebenden Objekte für seine Forschung einfing. In den ersten Monaten lebte er als Gast im Haus eines deutschen Freundes, um Portugiesisch zu lernen und sich auf die Lehrtätigkeit (Mathematik und Naturgeschichte) am neu gegründeten Lyzeum der Provinz Santa Catarina vorzubereiten. Er besuchte täglich die öffentliche Bibliothek, um die Zeitungen zu lesen, und lernte so auf außergewöhnliche Weise unsere Heimatsprache.
Während dieser Zeit blieb seine Familie in der Kolonie Blumenau, bis sie Ende 1856 nach Desterro kam und sich in Praia de Flora (heute Beira Mar Norte auf der Insel Santa Catarina) niederließ. Dort hatte Fritz täglich Kontakt mit dem Meer und seinen Lebewesen, was ihn an sein Studium in Deutschland an der Ostsee erinnerte.
Dies ist nur ein Teil der Geschichte, die erzählt werden muss und an die sich diejenigen erinnern müssen, die in Florianópolis leben und es besuchen, und der 200. Geburtstag von Fritz Müller ist die perfekte Gelegenheit, um an diesen Teil unserer Geschichte zu erinnern. Zu diesem Zweck haben wir die Fritz-Müller-Kommission zur 200-Jahr-Feier ins Leben gerufen, der ich gerne vorstehe und in der die Stadtverwaltung von Florianópolis, der Stadtrat und wichtige Kulturschaffende nicht nur aus Florianópolis, sondern auch aus Blumenau vertreten sind. Kürzlich trafen wir mit dem Bürgermeister Blumenaus, Mario Hildebrandt, zusammen, der uns sehr freundlich empfing und unsere Absicht bekräftigte, die Beziehungen zwischen unserer Stadt und Deutschland zu stärken.

Wir haben erfahren, dass die Stadt Florianópolis plant, ein nach Fritz Müller benanntes Mündungsgebiet zu markieren. Können Sie uns mehr dazu sagen?
Eine Flussmündung ist eine große Wiege des marinen Lebens, das sich dort mit einer Vielzahl von Meerestieren paart und fortpflanzt und Nahrung für andere Arten liefert, wodurch der Lebenszyklus fortgesetzt wird. In dieser Umgebung, die von der Praia de Fora (heute Beira Mar Norte) und den Grenzen des Mangrovensumpfes Itacorubi gebildet wird, begann und vollendete Fritz Müller seine Studien über die Evolution einiger Arten von Krebstieren, die in seinem wichtigsten Werk und seinem einzigen veröffentlichten Buch "Für Darwin" gipfelten.



Zum Gesetzessprojekt kann ich Ihnen berichten, dass es nach gründlicher Beratung im Stadtparlament verabschiedet wurde und am 24. November in Kraft getreten ist. Das bedeutet, dass das Mündungsgebiet künftig in der offiziellen Karte der Stadt, in allen offiziellen Karten des Munizips, Seekarten und anderen offiziellen Dokumenten erscheinen wird. Die Stadtverwaltung von Florianópolis wird für die Durchführung von Studien und Projekten zur Stadtmöblierung und zur natürlichen Umweltgestaltung des Gebiets um die Fritz-Müller-Mündung verantwortlich sein.
Das Gebiet wird begrenzt durch die Mündungen der Flüsse Itacorubi und Sertão, die zum Stadtpark gehören, die Ponta do Goulart, den Strand Saco Grande, die Ponta do Lessa, die Ponta do Recife, die Ponta do Coral, einen Teil der Nordbucht und den Außenstrand (Beira Mar North Beach) mit einer geschätzten Gesamtfläche von 32 km².
Welche anderen Aktivitäten sind in den kommenden Monaten in und um Florianópolis geplant?

Am 31. März 2022 wird der 200. Geburtstag unseres berühmten Wissenschaftlers gefeiert, und ich glaube, dass die historische Erschließung seines Aufenthalts in Desterro (Florianópolis) nicht nur eine wohlverdiente Hommage ist, sondern auch die Fritz-Müller-Mündung zu einem Anziehungspunkt für neue Forscher und Touristen machen kann. Außerdem planen wir kulturelle und gastronomische Aktivitäten, die mit seiner Geschichte und der deutschen Kultur zu tun haben. Zum Beispiel ein gastronomisches Festival mit Krustentieren, handwerklich gebrauten Bieren und deutschen Desserts - oder eine touristische Route, die die wissenschaftlichen Exkursionspfade markiert, die Fritz Müller beschritten hat. Außerdem wird ein Buch (A Biografia de Fritz Müller) des Geographen und Botanikers Marcelo Vieira Nascimento und seines Teams erscheinen, das seit Jahren über Fritz Müller recherchiert und bereits Hunderte von Informationen über ihn und seine Studien gesammelt hat - viele davon unveröffentlicht.



Im März 2022 wird es in der Stadtverwaltung von Florianópolis eine feierliche Sitzung geben, an der das Rathaus, das Carl-Hoepcke-Institut, das Historische Institut von Santa Catarina, die Akademie für Literatur von Santa Catarina, die Stadtverordnetenversammlung und die gesetzgebende Versammlung von Santa Catarina teilnehmen.
Außerdem werden wir ein Fritz-Müller-Arboretum beim Botanischen Garten von Florianópolis einrichten und einweihen. In diesem Areal werden Bäume des Atlantikwaldes gepflanzt, die Fritz Müller studiert hat.
Die Stadt Florianópolis und die städtische Kommission zum Gedenken an den 200. Geburtstag von Fritz Müller sind der Meinung, dass sein Geburtstag das ganze Jahr 2022 über gefeiert werden sollte, weshalb wir das kommende Jahr zum Fritz-Müller-Jahr für die Stadt Florianópolis erklärt haben.

Der Kommission für die Feierlichkeiten gehören auch internationale Partner an - darunter das Wirtschafts- und Wissenschaftszentrum Brasilien-Deutschland (WWZ-BD). Was erwarten Sie von der Zusammenarbeit mit dem WWZ-BD und anderen internationalen Partnern?

Wir hoffen, dass wir durch Fritz Müller die Beziehungen zwischen unseren Ländern stärken können. Wir haben insbesondere in Santa Catarina eine lebendige Präsenz der deutschen Kultur, und ich glaube, dass wir unsere Beziehungen auch auf Partnerschaften und die Entwicklung von Projekten in den Bereichen Technologie, Innovation und Bildung ausweiten können. Es ist ein Austausch, der ausgehend von dieser hochgeschätzten Persönlichkeit, gute Früchte für beide Länder hervorbringen kann.

Vielen Dank für das Interview.

Interview mit Prof. Dr. Alexander Starke

Direktor der Klinik für Klauentiere an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig und neuer Partner des WWZ-BD

 

 

 

 

 

Tierärzte aus Brasilien gehören seit Jahren zu den Stammgästen der Veterinärmedizinischen Fakultät der Uni Leipzig. Wie ist dieser enge Kontakt zustande gekommen?

Die erste Begegnung gab es 2002 in der Rinderklinik der Tierärztlichen Hochschule auf dem Welt-Buiatrikkongress der Tierärzte in Hannover. Nach dem Welt-Buiatrikkongress 2010 in Chile habe ich dann erstmals auch an den Veterinärmedizinischen Fakultäten in Curitiba, Paraná, in Brasilien Vorlesungen gehalten und Workshops durchgeführt. Seit 2012 empfangen wir regelmäßig brasilianische Tierärzte und Studierende an der Klinik für Klauentiere der Veterinärmedizinischen Fakultät. Die sind dann drei Monate oder länger bei uns in Leipzig. 2013 konnten wir auch den ersten Gastwissenschaftler aus Brasilien begrüßen. Inzwischen waren schon sieben brasilianische Professoren hier an der Fakultät. Ich nehme alle zwei Jahre am brasilianischen Rinderkongress teil. Die Beziehungen sind also schnell gewachsen und immer enger geworden.

Klingt ziemlich reibungslos. Keine Verständigungsschwierigkeiten – sprachlich oder auch fachlich?

Der Auftakt war relativ einfach, da die brasilianischen Kollegen, mit denen ich seit 2002 im Austausch stehe, alle in Deutschland promoviert hatten. Mit den Studierenden aus Brasilien und vor allem auch während meiner Aufenthalte in Brasilien fiel die Kommunikation anfangs schon etwas schwer. Auf der einen Seite fehlten die Portugiesisch-Kenntnisse, auf der anderen die deutschen Begriffe. Dann mussten wir uns mit Englisch behelfen. Die Versuche, die jeweils andere Sprache zu sprechen, sorgten öfter für Heiterkeit. Der gute Wille war jedenfalls immer da. Gestaunt haben die brasilianischen Gäste auch über manche Patienten unserer Klinik: Ein tretendes und spuckendes Lama, ein bissiges Alpaka oder ein Wagyu Bulle. Vor allem das Handling der Rinder unterscheidet sich deutlich zwischen Brasilien und Deutschland. So ist es dort häufig nicht ohne weiteres möglich, einen Wasserbüffelbullen eben mal in einen Klauenstand zu führen und auf die Seite zu legen oder eine endoskopische Zitzenchirurgie an einer Kuh vorzunehmen.

Gab es ein konkretes Ereignis, dass für ihre Zusammenarbeit mit Brasilien besonders wichtig war?

Im November 2016 war ich Mitglied einer Wissenschafts- und Wirtschaftsdelegation des Landes Sachsen, die mehrere Länder Südamerikas besucht hat. Geleitet wurde sie von Thomas Schmidt, dem Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Sachsens. Während dieser Reise besuchten wir auch Südbrasilien. Bei den Gesprächen wurde mir klar, dass es nicht nur um Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit im engeren Sinne geht, sondern auch um Fragen zu Umweltdienstleistungen, Abwasserreinigung, Altlastensanierung, Boden- und Grundwasserschutz und Verwertung von Biomasse.

Also ein guter Markt für Mittelständler ...

Brasilien benötigt moderne Umwelttechnologie, technisches Know-how und spezielles Fachwissen. Das ist bei Mittelständlern in Sachsen durchaus vorhanden – auch zu den Themen Tiergesundheit und Tierwohl. In diesem Kontext können wir als Wissenschaftler und Veterinäre einen wichtigen Beitrag zu einer für beide Seiten vorteilhaften deutsch-brasilianischen Zusammenarbeit leisten.

In diesem Sinne ist auch Ihre Mitgliedschaft im WWZ-BD zu verstehen?

Genau. Ich verstehe das WWZ-BD als Netzwerk zur Förderung der Wirtschafts- und Wissenschaftsbeziehungen zwischen unseren beiden Ländern und bin überzeugt davon, dass wir mit Hilfe dieser Plattform noch viel bewegen können.

Interview: Wolfgang Wagner